Dezember Update
Einleitung
Im Vorfeld des Jahreswechsels verdichten sich die Anzeichen, dass wir uns mittelfristig in einem Bärenmarkt befinden. Zwar erleben wir kurzfristig immer wieder Erholungen oder seitwärts laufende Konsolidierungen, doch die übergeordneten Signale deuten auf weitere Korrekturen hin. Nach dem Boom der letzten Jahre steht potentiell nun eine Phase fallender Kurse und erhöhter Vorsicht bevor. In diesem Monatsupdate beleuchten wir die Lage an den US-Aktienmärkten – insbesondere Nasdaq und SPY – sowie im Kryptomarkt (mit Fokus auf Bitcoin), bevor wir unser Fazit ziehen.
Aktien
Nach dem starken Rückgang im Herbst haben die US-Börsen letzte Woche eine Gegenbewegung gezeigt. Damit notiert der Nasdaq nun wieder an einer kritischen charttechnischen Marke. Diese Konstellation – ein sogenannter „Bearish Retest“ an ehemals gebrochenen Trendlinien – ist klassisch für Bärenmarktrallyes. Entsprechend könnte die Erholung begrenzt sein und eine nächste Verkaufswelle bevorstehen.
Auch beim breiteren SPY zeigen sich ähnliche Muster. Der Index hat einen Grossteil seines Herbst-Verlustes wettgemacht, stösst aber nun auf erhebliche Widerstände im Bereich früherer Hochs. Zugleich trüben fundamentale und marktinterne Faktoren die Aussichten. So befinden wir uns in einem Umfeld straffer Geldpolitik und abnehmender Liquidität. Banken mussten im Oktober sogar auf das Not-Repo-Programm der Fed zurückgreifen, indem sie über 15 Mrd. USD an Übernachtkrediten aufnahmen, ein deutliches Stresssignal im Finanzsystem. Vor gut einem Monat gerieten US-Regionalbanken erneut unter Druck: so stürzte etwa der Aktienkurs der Zions Bank an einem Handelstag um 14% ab, bevor er sich teils erholte. Solche Episoden erinnern an die fragilen Verhältnisse während der regionalen Bankenkrise Anfang 2023 und zeigen, dass das Vertrauen im Bankensektor weiterhin empfindlich ist.
Auch die Marktteilnehmer senden gemischte Signale. Unternehmensinsider nutzen die jüngsten Kursniveaus offenbar verstärkt, um zu verkaufen: Das Verhältnis von Insider-Verkäufen zu -Käufen erreichte zuletzt alarmierende Höhen, wie seit 2023 nicht mehr. Gleichzeitig zeigen sich Privatanleger erstaunlich optimistisch und kaufen weiterhin. Diese Käufe und vermehrte Investitionen in gehebelte Produkte seitens individueller Anleger spiegeln einen Glauben wider, dass der Bullenmarkt intakt bleibt. Aus konträrer Sicht ist eine solche Sorglosigkeit allerdings typisch für späte Phasen eines Aufschwungs und mahnt zur Vorsicht.
Krypto
Der Kryptomarkt – allen voran Bitcoin – zeigt ein ähnliches Bild wie die Tech-Börse, da die Korrelation zwischen Tech-Aktien und Kryptowährungen seit Jahren hoch ist. Im Gegensatz zu Tech-Aktien befindet sich aber Bitcoin nun klarer im Abwärtstrend und liefert verschiedene bärische Signale:
Trendindikatoren kippen: Tatsächlich hat Bitcoin ein „Death Cross“ vollzogen, bei dem ein kurzfristiger gleitender Durchschnitt einen langfristigen von oben nach unten kreuzt – erstmals in diesem Zyklus ist dieser Schnitt nun bestätigt. Zeitgleich wurde auch die 50-Wochen-EMA nach unten durchbrochen und nicht zurückerobert, was ebenfalls zum ersten Mal in der laufenden Mehrjahresperiode passiert ist. Diese technischen Brüche signalisieren, dass die Aufwärtsdynamik der letzten Jahre möglicherweise gebrochen ist.
Keine Kapitulation in Sicht: Trotz der zuletzt deutlich fallenden Kurse fehlt bisher das Anzeichen einer Massenpanik oder Kapitulierung im Markt. Viele Anleger glauben offenbar noch an einen schnellen Wiederanstieg und kaufen weiter die Rücksetzer. Historisch markiert echter Pessimismus und Kapitulationsverhalten jedoch oft den Wendepunkt in einem Bärenmarkt – und davon sind wir derzeit noch ein Stück entfernt. Die Stimmungslage wirkt somit eher wie Leugnen als Verzweiflung, was tendenziell dafür spricht, dass der finale Boden noch nicht erreicht ist.
Déjà-vu zum letzten Bärenmarkt: Chartmuster und Marktverhalten erinnern auffällig an die Phase 2021–2022. Der aktuelle Verlauf zeigt möglicherweise eine Wiederholung des damaligen bärischen Chartablaufs. Bitcoin folgt zudem oft einem vierjährigen Zyklus, getrieben von den alle vier Jahre stattfindenden Halvings. Nach 2013, 2017 und 2021 als grosse Bullenjahre wäre es nicht untypisch, wenn 2025 (trotz zwischenzeitlicher Stärke) ein Übergang zum Abschwung markiert – die Daten deuten darauf hin, dass wir uns im „Bären“ -Jahr befinden.
Erzwungene Liquidierungen und Liquiditätsrisiken: Die Verwundbarkeit des überhitzten Kryptomarkts zeigte sich exemplarisch am 10. Oktober 2025, als ein Schock einen Kaskaden-Effekt auslöste. Binnen 24 Stunden wurden Positionen im Wert von rund 19 Mrd. USD liquidiert, was es zur schwersten systemischen Liquidation in der Kryptogeschichte macht. Bitcoin stürzte dabei zeitweise um über 14% von etwa 122’000 USD auf ein Tief nahe 105’000 USD, und manche Altcoins wie fielen kurzzeitig noch deutlich drastischer. Dass dieser „Krypto Crash“ neunmal grösser war als der vom Februar 2025 und ein Vielfaches der Liquidationen von März 2020 oder des FTX- Kollapses 2022, unterstreicht, wie angespannt die Lage war.
Fazit
Zusammenfassend ist es wichtig vorerst vorsichtig und defensiv zu sein. Trotz gelegentlichen Aufbäumens der Märkte sehen wir die jüngsten Erholungen eher als Bärenmarktrallyes denn als Start nachhaltiger Aufwärtstrends. In unseren Augen überwiegen die Abwärtsrisiken: Technische Verkaufssignale häufen sich, die Liquidität ist knapp, und viele Anleger zeigen (noch) nicht die Angst, die üblicherweise am Ende eines Bärenmarktes steht. Kurzfristig mögen die Kurse seitwärts laufen oder vielleicht sogar leicht höher. Doch mittelfristig rechnen wir mit tieferen Kursen. Die Erfahrungen früherer Zyklen lehren, dass nach grossen Bullenjahren eine Korrektur von 50–70% nicht ungewöhnlich ist.
Es gilt daher auf der Hut zu sein. Erst wenn Anzeichen wie Kapitulierung im Sentiment, eine Lockerung der Geldpolitik oder klare Trendumkehrsignale auftreten, gilt es den Ausblick zu ändern. Bis dahin gilt: lieber vorsichtig agieren als von falschem Optimismus überrollen lassen.
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