Januar Update
Einleitung
Die Finanzmärkte zeigten zum Jahresende ein gemischtes Bild. Einerseits erreichte der S&P 500 Index ende Dezember neue Höchststände, vorangetrieben durch eine Tech-Rally. Andererseits mehren sich die Anzeichen, dass dieser Anstieg auf wackligem Fundament steht. Die Liquidität im System hat spürbar abgenommen – die Federal Reserve hat durch ihre quantitative Straffung einen wichtigen Puffer nahezu vollständig abgebaut. Diese ausgetrocknete Liquidität erinnert an Stressniveaus während der Credit-Suisse-Krise im März 2023 und erhöht die Anfälligkeit des Marktes. Zugleich gerieten vor einigen Wochen US-Regionalbanken unter Druck: So mussten etwa Zions Bancorp und Western Alliance im Oktober zweistellige Kursverluste hinnehmen, was neue Sorgen um die Kreditqualität schürte. Auch international zeigen sich Spannungen – der japanische Yen befindet sich in einem steilen Abwärtstrend und erreichte gegenüber Dollar und Euro den schwächsten Stand seit Jahrzehnten. Die Bank of Japan sah sich gezwungen, ihren Leitzins erstmals seit 30 Jahren anzuheben, doch anhaltende Yen-Schwäche und Probleme am heimischen Anleihemarkt deuten auf ernste Herausforderungen hin.
Vor diesem Hintergrund erwarten wir weiterhin ein Bärenmarkt-Szenario. Trotz zwischenzeitlicher Erholungen oder Seitwärtsphasen rechnen wir mittelfristig mit tieferen Kursen. Risikoanlagen wie US-Technologieaktien und Kryptowährungen sind stark korreliert, besonders in Stressphasen. Die heftige Krypto-Korrektur vom Oktober könnte ein Vorbote gewesen sein, dem die Aktienmärkte mit Verzögerung folgen. Im Folgenden betrachten wir die jüngste Entwicklung an den US-Aktienmärkten sowie bei Kryptowährungen und erläutern, warum wir die aktuelle Marktlage skeptisch einschätzen.
Aktien
Die US-Aktienmärkte haben nach einer mehrmonatigen Schwächephase im Dezember eine technische Gegenbewegung gezeigt. Diese Rallye führte den Index zurück an eine entscheidende charttechnische Zone – nämlich die Unterkante des früheren Aufwärtstrendkanals, die nun als Widerstand fungiert. Entsprechend prallte der QQQ dort zunächst ab. Auch der breite S&P 500 lief zuletzt in eine potenzielle Doppel-Top-Formation. Dass der Index trotz neuer Hochs keine dynamische Ausbruchsbewegung zeigt, sondern eher seitwärts tendiert, deutet auf nachlassende Kaufkraft hin.
Während die Kurse also nominal nahe Allzeithoch notieren, trüben interne Faktoren das Bild. Zum einen ist die Marktbeteiligung eng: Ein Grossteil der Jahresgewinne wurde von wenigen Mega-Tech-Aktien getragen – ein Muster, das oft Vorbereitungsphase eines Abschwungs ist. Zum anderen gibt es klare Anzeichen von Insider-Verkäufen: Unternehmensinsider haben seit Spätsommer deutlich mehr eigene Aktien verkauft als gekauft, was sich in einem sehr niedrigen Insider-Buy/Sell-Ratio widerspiegelt. Eine solche Verkaufsneigung signalisiert oft, dass diese ihre Aktien als hoch bewertet einschätzen und Risiken sehen. Zudem bestehen makroökonomische Belastungsfaktoren weiter fort – z.B. die erwähnte Banken- und Liquiditätsproblematik – die irgendwann auch die Aktienbewertungen einholen dürfte. Aus technischer Sicht ist der jüngste Anstieg der Indizes als Bärenmarktrally zu werten, der nun reif für eine neue Abwärtswelle erscheint.
Kryptowährungen
Auch am Kryptomarkt mehren sich die Anzeichen eines mittelfristigen Abwärtstrends. Bitcoin erlebte nach seinem Allzeithoch im Oktober (ca. 126'000 USD) einen drastischen Einbruch um etwa 30% bis in den hohen 80’000er USD-Bereich. In der ersten Novemberhälfte bildete sich zudem ein Death Cross auf dem Tageschart, als der kurzfristige 50-Tage-Durchschnitt unter den 200-Tage-Durchschnitt fiel – ein klassisches Bärensignal, das den Abwärtstrend bestätigte. Nachfolgend notierte Bitcoin erstmals in diesem Zyklus drei Wochen in Folge unter seiner 50-Wochen-EMA, einem gleitenden Durchschnitt, der den gesamten Aufschwung seit 2023 getragen hatte. Dieses Verfehlen auf Wochenbasis kann als Zeichen für den Beginn eines neuen Bärenmarktes gewertet werden.
Mehrere Faktoren untermauern diese pessimistische Sichtweise auf Krypto:
- Technische Warnsignale: Seit dem Sommer bauten sich bearishe Divergenzen im Momentum auf, was schliesslich in den erwähnten Death Cross mündete. Wichtiges langfristiges Support-Niveau wie die 50-Wochen-EMA wurden durchbrochen – erstmals im laufenden Zyklus. Solche technischen Brüche deuten auf einen nachhaltigen Trendwechsel nach unten hin.
- Liquidität und Makro: Das globale Liquiditätsumfeld hat sich verschlechtert. Die Repo-Märkte sind praktisch ausgetrocknet. Banken-Reserven schrumpfen und wichtige Liquiditätsindikatoren bewegen sich auf Niveaus wie zuletzt während des Credit-Suisse-Debakels. Probleme bei der Bank of Japan zeigen, wie angespannt die globale Geldpolitik ist.
- Marktstruktur und Kapitulation: Am 10. Oktober erlebte der Kryptomarkt einen beispiellosen Crash, ausgelöst durch makroökonomische Schocks (z.B. überraschende Zoll-Ankündigungen) und verstärkt durch automatisierte Liquidationen. Innerhalb von etwa 24 Stunden wurden über 19 Mrd. USD an gehebelten Positionen zwangsliquidiert – der grösste «Leverage-Wipeout» in der Krypto-Geschichte. Dieses „Grosse De-Leveraging“ spülte zahlreiche Handelsfirmen und spekulative Trader aus dem Markt. Bemerkenswert dabei: Trotz dieses Schocks kam es bislang nicht zu einer Massenpanik unter langfristigen Haltern. Retail-Anleger zeigen sich zwar verunsichert, halten aber zu grossen Teilen an ihren Positionen fest – eine klassische Kapitulation, die oft den Boden eines Bärenmarkts markiert, blieb also bislang aus. Solange diese ausbleibt, ist vorsichtigerweise davon auszugehen, dass noch kein endgültiger Tiefpunkt erreicht wurde.
- Historische Muster: Bitcoin folgt bislang grob seinem historisch beobachtbaren Vier-Jahres-Zyklus, der durch das Halving geprägt ist. Nach dem Bullenmarkt 2020–2021 und dem Crash 2022 erlebten wir 2023/24 eine Erholungsrally. Nun, Ende 2025, passt das technische Bild erneut zu dem eines Zykluswechsels: Viele Parallelen zum Bärenmarkt 2021–2022 sind erkennbar. Sollte sich der Rhythmus fortsetzen, stünde 2026 im Zeichen weiterer Abwärtsbewegungen.
Zusammenfassend befindet sich der Kryptomarkt aktuell in einer Stabilisierungsphase unterhalb der Höchststände, allerdings ohne bisherige Trendwende nach oben. Die Seitwärtsbewegung um 85’000–90’000 USD spiegelt eine abwartende Haltung wider. Solange keine klaren Entwarnungssignale auftreten (etwa geldpolitische Lockerungen oder eine kapitulative Marktbereinigung), überwiegt aus unserer Sicht das Abwärtsrisiko. Kurzfristige Aufwärtskorrekturen sind jederzeit möglich, aber strukturell deuten die Indikatoren weiter nach unten.
Fazit
Sowohl an den Aktien- als auch an den Kryptomärkten deutet vieles darauf hin, dass wir in die nächste Phase eines Bärenmarktes eintreten. Die kräftigen «Bounces» der letzten Wochen ändern nichts an den übergeordnet bearishen Signalen – sie gehören typischerweise zu einem Bärenmarkt dazu und können trügerisch sein. Entscheidend ist die mittel- und langfristige Perspektive: Hier überwiegen klar die Risiken. Die US-Leitindizes stehen an technischen Widerständen, während sich die konjunkturellen und monetären Rahmenbedingungen eintrüben. Der Kryptosektor hat den Abschwung bereits vorweggenommen und bleibt anfällig für neue Verkaufswellen, zumal die Korrelation mit den Aktienmärkten hoch bleibt – in Phasen allgemeiner Risikoaversion werden Bitcoin und Altcoins kaum immun sein.
Wir gehen daher davon aus, dass nach einer möglichen leichten Erholungs-/Konsolidierungsphase zum Jahresbeginn 2026 erneut fallende Kurse an den Märkten einsetzen. Insbesondere der technologiegetriebene Nasdaq und der Bitcoin stehen dabei im Fokus, da hier die grössten spekulativen Exzesse stattfanden und nun bereinigt werden könnten. Immerhin: Jeder Bärenmarkt schafft auch die Grundlage für den nächsten Aufschwung. Sobald die Bewertungsexzesse abgebaut, die Liquidität bereinigt und echte Kapitulationszeichen sichtbar sind, werden sich wieder Chancen bieten.
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