Februar Update
Einleitung
Nach einem Jahr voller Kurssprünge an den Märkten kippt die Stimmung zunehmend ins Bärische. Sowohl Aktien als auch Kryptowährungen, die teils neue Höchststände erreichten, zeigen inzwischen klare Schwächesignale. Bitcoin z.B. markierte Anfang Oktober ein Allzeithoch bei ca. 126’000 USD und stürzte seither um etwa ein Drittel auf etwa 77’000 USD ab. Auslöser war eine Kombination negativer Faktoren – von makroökonomischen Schocks bis hin zu technischen Verkaufssignalen. Insgesamt verdichten sich die Hinweise, dass wir uns nun in einem Bärenmarkt befinden. Kurzfristig mögen Kurse zwar seitwärts laufen oder leicht steigen (typisch für Bärenmarktrallyes), doch mittelfristig rechnen wir mit tieferen Kursen. Diese Erwartung untermauern sowohl die Entwicklungen an den US-Aktienmärkten als auch im Kryptosektor, die korreliert sind.
Aktien
Die US-Technologieaktien haben nach einer Korrektur wieder einen spürbaren Rebound erlebt – doch genau dieser scheint nun an seine Grenzen zu stossen. So fiel der Nasdaq-100 vom Sommerhoch zunächst um fast –9%, bevor eine Gegenbewegung etwa +6% aufholte. Diese Erholung führte den Index jedoch nur zurück an eine ehemalige Trendlinie, die nun als Widerstand fungiert. Entsprechend mehren sich technische Warnsignale, dass die Luft nach oben dünn wird und eine neue Verkaufswelle bevorstehen könnte. Auch der breite Markt (S&P 500) zeigt ein ähnliches Muster: Nach sieben Gewinnmonaten in Folge bis Oktober gab es stärkere Schwankungen im November und lediglich eine Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau. Die Bewertungen bleiben dabei historisch hoch (Buffett-Indikator nahe Rekordständen), was das Abwärtspotenzial im Falle eines Stimmungsumschwungs erhöht.
Auffällig ist zudem das Verhalten verschiedener Anlegergruppen. Während Insider grosser US-Unternehmen bereits seit August in ungewöhnlich grossem Umfang Aktien verkaufen – in 2025 gab es die höchsten Insider-Verkäufe aller Zeiten – haben viele Privatanleger bis vor kurzem weiter beherzt gekauft. Diese Entwicklung – Insider cashen aus, während spätzyklisch noch Käufer einspringen – erinnert an klassische Top-Bildungsphasen. Insgesamt deuten die technischen und fundamentalen Indikatoren an, dass der jüngste Aufwärtsimpuls eher eine Bärenmarktrallye war. Sollten die US-Leitindizes erneut nach unten drehen – wovon wir ausgehen – dürfte das auch auf den Kryptomarkt negativ durchschlagen, da die Korrelation zuletzt hoch war.
Krypto
Auch im Kryptosektor haben sich die Vorzeichen seit Oktober drastisch geändert. Anfang des Quartals herrschte noch Euphorie – Bitcoin erklomm, wie erwähnt, neue Allzeithöhen. Doch der 10. Oktober 2025 markierte einen Wendepunkt: An diesem Tag löste die überraschende Verkündung neuer US-Importzölle (100% Strafzölle gegen China) einen Schock aus. Innerhalb weniger Stunden wurden auf breiter Front Positionen liquidiert. Rund 19 Milliarden USD an gehebelten Krypto-Kontrakten wurden zwangsweise aufgelöst – der grösste Ein-Tages-Crash der Krypto-Geschichte. Dieser Flash-Crash dünnte den Markt massiv aus und kehrte die Stimmung von gierig auf ängstlich. Besonders Altcoins brachen in der Kaskade zweistellig ein, da ihre Liquidität geringer ist und automatische Stop-Loss-Verkäufe dort noch schneller griffen.
Seit diesem Einbruch mehren sich die Bären-Signale im Kryptomarkt:
- Technische Warnsignale: Bitcoin zeigte bereits im Spätsommer eine bärische Divergenz (nachlassende Indikatoren trotz steigender Kurse). Inzwischen hat sich ein klassisches “Death Cross” im Chart formiert – ein bärisches Kreuz der gleitenden Durchschnitte (50-Tage unter 200-Tage), was zum ersten Mal in diesem Zyklus auftritt. Auch auf Wochenbasis wurde die wichtige EMA50-W zum ersten Mal seit dem letzten Bullenmarkt nachhaltig unterschritten, was technisch als Trendbruch gilt.
- Liquiditäts- und Makro-Risiken: Die globalen Liquiditätsbedingungen haben sich erheblich verschärft. Auch im Bankensektor spitzt sich die Lage zu: Die Bankenliquidität ist mancherorts so angespannt wie zuletzt beim Kollaps der Credit Suisse. Gleichzeitig gerät Japan unter Druck – der Yen befindet sich in einem starken Abwärtstrend gegenüber dem US-Dollar. Diese globalen Liquiditätsengpässe und Währungsturbulenzen verringern insgesamt die Risikobereitschaft – Risk-Off dominiert, was auch Kryptowährungen belastet.
- Marktgeschehen & Zyklen: Die Entwicklung seit Oktober passt ins historische Muster der Vier-Jahres-Zyklen bei Bitcoin. Typischerweise folgen auf grosse Bullenphasen (wie 2020–2021 und erneut 2024–2025) deutliche Bärenphasen. Bereits ein Blick auf frühere Zyklen zeigt, wie drastisch solche Einbrüche ausfallen können: In den vorigen Bärenmärkten verlor BTC 70–80% vom Top. Überträgt man diese Spanne auf das jüngste Hoch, wären potenzielle Bodenpreise von nur 25'000–37'000 USD keine Überraschung – ein Risiko, das man im Hinterkopf behalten sollte.
- Anlegerverhalten: Trotz der alarmierenden Signale fehlt bislang eine Massen-Kapitulation der Privatanleger. Viele Retail-Investoren halten ihre Coins weiterhin und sehen jeden Kursrückgang als Chance zum “Dip-Kauf”, in der Überzeugung, der Bullenmarkt sei noch intakt. On-Chain-Daten und Stimmungsindikatoren deuten darauf hin, dass es bisher kein panikartiges Aussteigen der breiten Masse gab – ein Kontrast zu echten Markttiefs, bei denen gewöhnlich Angst und Resignation dominieren. Solange dieser letzte Kapitulationsschritt aussteht, besteht jedoch die Gefahr weiterer Abwärtswellen. Positiv formuliert: Erst wenn auch die letzten Optimisten entmutigt wurden, ist der Nährboden für einen echten Neustart gelegt.
Zusammenfassend befindet sich der Kryptomarkt nun klar in einer Bärenphase. Die Rally des Jahres 2025 wurde abrupt beendet, sämtliche Jahresgewinne sind dahin. Die Volatilität hat eindrucksvoll vor Augen geführt, dass BTC (noch) kein stabiler Wertspeicher oder Inflationsschutz ist, sondern ein spekulatives Asset – in guten Zeiten mit enormem Upside, aber in schlechten Zeiten eben auch mit entsprechendem Downside. Angesichts der Vielzahl an Gegenwinden (technisch, fundamental und psychologisch) ist Vorsicht geboten.
Fazit
Sowohl an den Aktien- als auch an den Kryptomärkten mehren sich im Februar die Anzeichen, dass wir uns mittendrin in einem Bärenmarkt befinden. Die jüngsten Zwischenrallyes sollten daher nicht überinterpretiert werden – sie passen ins typische Muster temporärer Erholungen innerhalb eines übergeordneten Abwärtstrends. Kurzfristig mag es immer wieder zu Seitwärtsphasen oder sogar Erholungen kommen. Doch die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Kurse auf Sicht der kommenden Monate weiter nachgeben. Sowohl die US-Tech-Indizes als auch der Kryptomarkt haben wichtige Unterstützungen verloren und stehen fundamental unter Druck. Solange keine klare Entwarnung bei den grundlegenden Problemen (z.B. Liquidität, Bewertung, makroökonomische Risiken) erfolgt und keine Bodenbildungssignale sichtbar sind, rechnen wir mit tieferen Kursniveaus. Jeder Bärenmarkt geht irgendwann vorbei – doch noch scheint dieser nicht am Ende.
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