November Update

November Update

Einleitung

Der Oktober endete mit einer deutlichen Zunahme der Volatilität. Während die Märkte zuvor über längere Zeit von einer konstruktiveren Stimmung getragen wurden, kam es zum Monatsende sowohl bei Technologieaktien als auch im Kryptomarkt zu einem spürbaren Risk-off-Move. Besonders der Sicherheitsvorfall bei Binance verstärkte die Unsicherheit im Kryptosektor und führte in Kombination mit bereits vorhandener Schwäche zu einer schnellen Bereinigung gehebelter Positionen. Bitcoin fiel im Verlauf der Bewegung zeitweise unter 77’000 US-Dollar und beendete den Oktober im Minus.

Trotz dieser Entwicklung hat sich unsere übergeordnete Einschätzungnicht verändert. Wir gehen aktuell nicht davon aus, dass der Bullenmarkt bereits beendet ist. Vielmehr interpretieren wir die jüngste Schwäche als eine sehr volatile Korrektur innerhalb einer frühen Phase eines neuen Aufwärtszyklus. Für die kommenden Wochen rechnen wir deshalb weiterhin mit einer erhöhten Volatilität.

Aktien

Auch am US-Aktienmarkt hat sich das Bild zum Monatsende eingetrübt. Der Nasdaq hatte Anfang Oktober noch neue Rekordstände erreicht, verlor danach jedoch deutlich an Dynamik. Sorgen über die hohen Investitionen der grossen Technologieunternehmen in künstliche Intelligenz und die Frage, wie schnell sich diese Ausgaben in entsprechend hohen Erträgen niederschlagen, führten zu Gewinnmitnahmen im Tech- und Halbleitersektor.

Aus unserer Sicht ist diese Entwicklung zunächst nicht ungewöhnlich. Nach einer langen Phase steigender Kurse und sehr hohen Erwartungen sind zwischenzeitliche Korrekturen gesund und notwendig, um übermässigen Optimismus und hohe Positionierungen abzubauen. Gleichzeitig bleibt der Technologiesektor für den Gesamtmarkt von zentraler Bedeutung. Sollte sich die Schwäche bei den grossen AI- und Halbleiterwerten weiter ausweiten, könnte dies kurzfristig zusätzlichen Druck auf die Indizes ausüben.

Krypto

Der Kryptomarkt stand Ende Oktober besonders im Fokus. Der Sicherheitsvorfall bei Binance, bei dem nach Angaben der Börse rund 6,3 Milliarden US-Dollar an Assets betroffen waren, löste eine erhebliche Vertrauensreaktion aus. Binance setzte Auszahlungen vorübergehend aus und kündigte an die Verluste vollständig selbst zu tragen. Inzwischen wurden die ersten Auszahlungen wieder aufgenommen und Binance gab bekannt, bereits rund 95% der betroffenen Assets ersetzt beziehungsweise wieder beschafft zu haben.

Für den Markt war vor allem die Kombination aus dem Binance-Schock und der bereits angespannten Positionierung entscheidend. Innerhalb von 24 Stunden wurden rund 1,5 Milliarden US-Dollar an gehebelten Krypto-Positionen liquidiert, wobei der überwiegende Teil Long-Positionen betraf. Solche Liquidationswellen verstärken Kursbewegungen, weil Positionen automatisch geschlossen werden und dadurch zusätzlicher Verkaufsdruck entsteht. Bitcoin fiel in diesem Umfeld zeitweise in den Bereich von etwa 76’000 US-Dollar.

Trotzdem sehen wir den Binance-Hack nicht als ausreichenden Grund, den übergeordneten Bullenmarkt für beendet zu erklären. Ein externer Schock dieser Grössenordnung kann eine ohnehin überhitzte Marktstruktur bereinigen, ohne zwangsläufig den gesamten Zyklus zu drehen. Gerade weil ein grosser Teil des kurzfristigen Leverage aus dem Markt gespült wurde, kann sich die Marktstruktur nach einer Phase der Stabilisierung sogar gesünder entwickeln. Entscheidend ist nun, ob Bitcoin in den kommenden Wochen einen höheren Boden ausbilden kann und die Nachfrage zurückkehrt.

Unser Basisszenario bleibt deshalb konstruktiv: Kurzfristig sind weitere Rücksetzer oder eine volatile Seitwärtsphase durchaus möglich. Wir gehen weiterhin davon aus, dass wir uns eher am Anfang eines neuen Bullenmarktabschnitts befinden als am Ende eines abgeschlossenen Zyklus. In einem solchen Umfeld können auch Altcoins nach einer Stabilisierung wieder stärker profitieren, wobei diese aufgrund ihrer geringeren Liquidität weiterhin deutlich höhere Schwankungen aufweisen dürften.

Fazit

Der November startet mit einem deutlich höheren Volatilitätsniveau als die vergangenen Monate. Der Binance-Hack, die anschliessenden Liquidationen und die Schwäche im Technologiesektor haben gezeigt, wie schnell sich die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer verändern kann. Kurzfristig bleiben deshalb weitere starke Bewegungen in beide Richtungen wahrscheinlich.

Unsere mittelfristige Einschätzung bleibt jedoch konstruktiv. Wir sehen die aktuelle Bewegung vorerst als Bereinigung und nicht als bestätigtes Ende des Bullenmarktes. Entscheidend ist dabei, zwischen kurzfristiger Volatilität und dem übergeordneten Trend zu unterscheiden. Solange sich keine nachhaltige Verschlechterung der Marktstruktur zeigt, gehen wir davon aus, dass die aktuelle Schwäche im weiteren Verlauf wieder in eine Aufwärtsphase übergehen kann. Gerade in frühen Bullenmarktphasen sind starke Rücksetzer keine Ausnahme, sondern häufig Bestandteil des Prozesses, bevor sich ein stabilerer Trend entwickelt.

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